Zwischen Plov-Töpfen und Rückkehrwünschen

Lisa Hellriegel

Gibt es so etwas wie eine Ikonographie der Nostalgie? Und wenn ja, wie sieht diese für die Russlanddeutschen aus? Für unser geplantes Visual für dekoder.org haben wir uns auf die Suche gemacht – und angefangen, über die Bilder in unseren Köpfen nachzudenken.

Kondensmilch und Plov-Töpfe – solche Bilder schwebten uns vor, als wir begannen, uns damit auseinanderzusetzen, wie wir russlanddeutsche Nostalgie visualisieren könnten. Eine schnelle Googleanfrage hingegen zeigt für die Stichworte „russlanddeutsche Nostalgie“ vor allem Fotos von Demonstrationen mit Schildern wie „Wir wollen mehr Sicherheit“[1] oder auch „Stop Asyl-Chaos“.[2] Erst bei den unteren Suchergebnissen folgen Bilder eines russlandeutschen Frauenchors[3] sowie ein YouTube-Video, in dem erklärt werden soll, warum Russlanddeutsche nach Russland zurückkehren: „Die Antwort lautet immer wieder: Nostalgie.“[4]

Nun ist uns einerseits bewusst, dass in unserer Gruppe keine der Teilnehmerinnen selbst eine russlanddeutsche Familienbiografie hat und wir somit möglicherweise einen spezifisch deutschen Blick auf eine hybride Geschichte werfen. Andererseits ist klar, dass einfaches Googeln wohl kaum die Lösung für ein so komplexes Thema sein kann. Dennoch bleibt die Frage, woher diese Bilder kommen – und wie wir diese einseitige Perspektive aufbrechen können.

So entstand die Idee, Vereine und Verbände der Russlanddeutschen in Hamburg zu kontaktieren, um dort nach einer eigenen visuellen Geschichte der Nostalgie zu suchen, etwa in Fotokalendern, Flyern oder Alben. Nächste Woche steht unser erster Termin an! Wir werden den Hamburger Verein der Deutschen aus Russland e.V. zu einem ersten Kennenlerngespräch besuchen.

Als Ergänzung zu dieser „Geschichte von unten“ wenden wir uns an eine klassische Institution der Geschichtsvermittlung: das Museum. In diesem Fall haben wir das „Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte“[5] in Detmold kontaktiert. Ein persönlicher Besuch steht noch aus. Doch wie etwas so Persönliches (und dennoch immer kollektiv geprägtes) wie Erinnerung und Nostalgie in einem Museum konzeptualisiert wird, könnte unsere Arbeit inspirieren – und vielleicht finden sich ja auch Schätze im Fotoarchiv.

Wenn wir es geschafft haben, diese Schätze zu heben, beginnt allerdings der nächste große Schritt, die Suche nach den Urheber_innen und Bildrechten. In jedem Fall bleibt es spannend und nun können wir es kaum mehr abwarten, so richtig mit der Recherche zu beginnen – nicht zuletzt, um die Bilder in unseren Köpfen zu prüfen und vielleicht, um neue Ikonographien der Nostalgie zu ergänzen.


Literatur

[1]          Anette Weber, Wie Russlanddeutsche in der Bundesrepublik leben, Die Rheinlandpfalz vom 31. Juli 2017. Online unter: https://www.rheinpfalz.de/nachrichten/politik/artikel/wie-russlanddeutsche-in-der-bundesrepublik-leben/, Abrufdatum 27.11.2019.

[2]          Philipp Demling, „German Angst“ treibt Russlanddeutsche auf die Straße, nordbayern vom 14.02.2016. Online unter: https://www.nordbayern.de/region/nuernberg/german-angst-treibt-russlanddeutsche-auf-die-strasse-1.4983873, Abrufdatum 27.11.2019.

[3]          Deutschrussischer Chor in Gießen: Mit jedem Ton der Heimat näher, Gießener Allgemeine,https://www.giessener-allgemeine.de/giessen/giessenhessen-deutschrussischer-chor-giessen-jedem-heimat-naeher-12839122.html, Abrufdatum 27.11.2019.

[4]          Auswandern nach Russland – Russlanddeutsche aus Deutschland kehren wieder nach Russland zurück, https://www.youtube.com/watch?2, hier Minute 02:10.

[5]             https://www.russlanddeutsche.de/de/, Abrufdatum 27.11.2019.

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